Schloss Büdingen

Schlosskapelle

Die Räume der Schlosskapelle

Schlosskapelle
Schlosskapelle
Über der romanischen Burgkapelle ließen Graf Ludwig II und sein Sohn Philipp zwischen 1495 und 1499 einen spätgotischen Neubau errichten, der zu den schönsten Sakralräumen in deutschen Schlössern zählt. Der Baumeister hat den durch die Wehrmauer bedingten unregelmäßigen Grundriß zu einem höchst harmonischen Raumbild benutzt. Der abgewinkelte Wehrgang wurde zur maßwerkgeschmückten Galerie, ein Bogen trennt den erhöhten Chor vom Schiff, dessen rückwärtiger Teil als Empore dient. Der Raum wird durch ein graziles Netz und Sterngewölbe überspannt, das seit der sorgsamen Restaurierung von 1957 wieder im schmuck der alten Bemalung erstrahlt. Tonschilder an den Schnittstellen der Gewölberippen zeigen in einer Art "Ahnenprobe" die Wappen der Voreltern der Erbauer.

Als Glanzstück der Ausstattung hat sich das Chorgestühl aus Eichenholz erhalten, das der Kapelle den Charakter eines kostbaren Schreins verleiht. In seinem Schnitzwerk begegnet uns die Fromme und zugleich Bizarre Bilderwelt des Spätmittelalters, in der sich Heiligendarstellungen mit verkrümmten Tierleibern, den Sinnbildern dämonischer Kräfte, abwechseln, während in den Porträts der Brüstungsfelder schon das realistische Menschenbild der Renaissance aufscheint. Zwei Wormser Bildschnitzer haben das Werk ab 1497 in 2-jähriger Arbeit geschaffen, wie die im Archiv noch erhaltenen Quittung ausweist.

Den Umbruch der Reformation hat die Kapelle fast unbeschadet überstanden, nur der Schreinaltar ist verschwunden. Im reformierten Geiste wurde 1610 die Sandsteinkanzel zur Predigt und Schriftverkündung errichtet, ein reifes Werk des Steinmetzen Conrad Büttner. Ein alter Grabstein im Chorabschluß stammt aus dem Ysenburger Hauskloster Marienborn. Alte Sakralplastik, Reste früher Glasmalereien und eine Anzahl von Regiments- und Hochzeitsfahnen runden das Bild ab. Noch heute wird der stimmungsvolle Raum von der fürstlichen Familie als Hauskapelle genutzt.

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